Hochseetüchtig? Dirigent Moritz Gnann zur Wiederaufnahme von „Billy Budd“ an der Deutschen Oper

WinslowHomer-Eight_Bells_1886Zu den verdienstvollsten Bemühungen der letzten Jahre an der Deutschen Oper gehört das Engagement für das Werk von Benjamin Britten — zuletzt Death in Venice. Frommer Wunsch, weil’s wahrscheinlich der Highway to Pleite wäre: nicht nur Verdi- und Wagner-Wochen, sondern einmal eine Britten-Woche, inklusive The Rape of Lucretia.

Jetzt kommt der großartige Billy Budd wieder, jene geheimnisvolle Melville-Veroperung, in der es nicht nur um Männerliebe geht, die sich nicht anders als in Hass auszusprechen vermag, sondern auch um die mystische Kraft des Stotterns. Wo wird in der Operngeschichte sonst so bedeutungsvoll gestottert?

Der Dirigent Moritz Gnann dirigiert Billy Budd dreimal (24. & 26. Mai, 2. Juni), zudem in einer kuriosen Kombination Donizettis L’Elisir d’Amore am 23. & 27. Mai. Zuvor hat der dem Konzertgänger ein paar Fragen beantwortet. „Hochseetüchtig? Dirigent Moritz Gnann zur Wiederaufnahme von „Billy Budd“ an der Deutschen Oper“ weiterlesen

Hochseetüchtig? Dirigent Moritz Gnann zur Wiederaufnahme von „Billy Budd“ an der Deutschen Oper

Hiobsbotschaftlich: DSO, Norrington, Bostridge spielen Haydn, Britten, Vaughan Williams

Glücklich, wer bei Roger Norringtons über fünf Jahre laufendem Ralph Vaughan Williams-Zyklus von Anfang bis Ende dabei war! Zum Abschluss und als Zugabe zu den Sinfonien dirigiert er beim Deutschen Symphonie-Orchester in der Philharmonie „Job“ – A Masque for Dancing (1930).

800px-William_Blake_-_Satan_Before_the_Throne_of_GodDiese dreiviertelstündige, von Bildern William Blakes inspirierte Hiobs-Musik für Riesenorchester ist eher symphonische Dichtung als Ballett, aber auf jeden Fall ein theatralisches Spektakel und ein Fest für Freunde des romantischen Mischklangs, der auch mal zum Weltkulturerbe erklärt werden sollte. Plakativ (erztonaler Gott versus dissonanter Tritonus-Springteufel), manchmal leicht bescheuert (plötzliches Losfetzen der Orgel wie in einem bizarren Horrorfilm), aber herrlich lustig und schaurig.  Auch gut als Orchester-Leistungsschau missbrauchbar, wäre also Berliner-Philharmoniker-tauglich. „Hiobsbotschaftlich: DSO, Norrington, Bostridge spielen Haydn, Britten, Vaughan Williams“ weiterlesen

Hiobsbotschaftlich: DSO, Norrington, Bostridge spielen Haydn, Britten, Vaughan Williams

Entspannt: Christian Zacharias spielt Schubert, Beethoven, Schumann

António_Carneiro_Claudio_ao_piano_by_Henrique_Matos_02Ein bisschen wie ein Musiklehrer schlurft Christian Zacharias beim Klavierfestival im Kleinen Saal des Berliner Konzerthauses auf die Bühne: Aber keiner jener Musiklehrer, die das halsstarrige Dummseinwollen der Schüler ausgemergelt hat, sondern einer, den die Schüler in seiner Schlaksigkeit mögen und bewundern, weil er kompetent und zugleich entspannt ist. Seine Schuhe glänzen nicht, die Hose schlottert, das Hemd hängt über den Bund, es ist vielleicht sein einziges. Eine äußerst sympathische Erscheinung.

Scheinbar tiefenentspannt spielt sich Zacharias auch ins Allegro ma non troppo von Franz Schuberts Sonate a-Moll D 537, so dass man sich zuerst fragt: troppo moderato? „Entspannt: Christian Zacharias spielt Schubert, Beethoven, Schumann“ weiterlesen

Entspannt: Christian Zacharias spielt Schubert, Beethoven, Schumann

Distanziert: Verdis „Don Carlo“ an der Staatsoper

Verdi-caricature-Don_Carlos-1867Drei Gründe sprechen für den Don Carlo, der jetzt an der Staatsoper im Schillertheater wiederaufgenommen wurde: Erstens René Pape, zweitens René Pape, drittens — nicht nur René Pape, sondern auch Marina Prudenskaya, Roman Trekel und ein insgesamt guter Cast. Die Staatskapelle unter Massimo Zanetti agiert sehr sängerfreundlich, manchmal vielleicht zu sehr. Die enormen Qualitäten, die sich vor allem in den Vor- und Zwischenspielen zeigen, scheinen mehr aus der Substanz des Orchesters zu kommen als durch Akzentsetzung des Dirigenten. Die Solisten, allen voran der Cellist, erfüllen die hohen Erwartungen. Der Chor zeigt sich nach anfänglichem Wackeln schön gestaffelt. „Distanziert: Verdis „Don Carlo“ an der Staatsoper“ weiterlesen

Distanziert: Verdis „Don Carlo“ an der Staatsoper

Buntstrukturiert: Yevgeny Sudbin beim Klavierfestival

800px-Retrato_de_Domenico_ScarlattiDomenico Scarlatti fiele wahrscheinlich die Kinnlade auf den Jabot, wenn er im Konzerthaus säße und seine Nachbarin fragte, von wem denn diese hinreißenden Stücke seien, die der hagere junge Virtuose da spiele: Nocturnes, Fantasien, Etüden, unendlich nuanciert und durchgestuft in Klangfarben, Dynamik, Agogik und dabei ungeheuer dezent, von ferne an ein Cembalo erinnernd.

Fünf Sonaten von Domenico Scarlatti, wäre die Antwort der Nachbarin, auf einem modernen Konzertflügel gespielt.

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Buntstrukturiert: Yevgeny Sudbin beim Klavierfestival

Tipp: Berliner Klavierfestival

Boldini,_Gentleman_at_the_PianoElysium ad portas für Klavierfreunde, die mal andere Pianisten hören wollen als das grandiose Dutzend, das an den üblichen philharmonischen Klavierabenden zu hören ist: Im Konzerthaus beginnt am Dienstag das 6. Berliner Klavierfestival. Neben dem Weddinger Pianosalon Christophori ist das der heißeste Scheiß, den Berlin neugierigen Klavierfreunden zu bieten hat. Keine Eigenveranstaltung des Konzerthauses, sondern eine private Initiative des Anglo-Steglitzer Klavierwahnsinnigen Barnaby Weiler, den das ewige Einerlei der hiesigen Klavierrezitals anödete.

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Tipp: Berliner Klavierfestival

Fein: Freiburger BarockConsort & Vox Luminis spielen Monteverdis „Marienvesper“

Artemisia_Gentileschi_-_Madonna_con_Bambino_(1609-1610)Die Kleinen bringen das Größte: Der Freiburger BarockConsort, die feine Kammer-Combo des Freiburger Barockorchesters, führt Claudio Monteverdis Vespro della Beata Vergine (Marienvesper) auf — das prächtigste, nuancierteste musikalische Mosaik, das jemals komponiert worden war. Mit diesem Superlativ bezieht John Eliot Gardiner sich zwar aufs Entstehungsjahr 1610, aber wer die Marienvesper heute hört, wird kaum zögern, diesem Satz auch die paar Jahre bis jetzt gutzuschreiben.

Die Aufführung im Kammermusiksaal leitet aus dem 13köpfigen Chor, der belgischen Vox Luminis, heraus der Bass Lionel Meunier. An seinem 36. Geburtstag und einen Tag vor dem 450. Geburtstag von Claudio Monteverdi. „Fein: Freiburger BarockConsort & Vox Luminis spielen Monteverdis „Marienvesper““ weiterlesen

Fein: Freiburger BarockConsort & Vox Luminis spielen Monteverdis „Marienvesper“