Schutzengelhaft: Vladimir Jurowski beim RSB mit Arvo Pärt und Mozarts Requiem

Zukunftsdurstiges Maestro-Halali: Zwei Tage nach dem Chefdirigenten in spe der Berliner Philharmoniker Kirill Petrenko gibt sich im Konzerthaus Vladimir Jurowski die Ehre, der das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin (RSB) in die Nach-Marek-Janowski-Ära führen wird. Beide unter anderem mit Mozart, was nach Peter Uehling im Zeitalter des historischen Musizierens für ein klassisches Symphonieorchester von erheblicher Risikobereitschaft zeuge. Während Petrenko die Haffner-Sinfonie zerlegte und dramatisch durchglühte, drückt Jurowski seinen Bläsern tollkühn alte Instrumente in die Hände:

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Schutzengelhaft: Vladimir Jurowski beim RSB mit Arvo Pärt und Mozarts Requiem

Glühend: Kirill Petrenko bei den Berliner Philharmonikern mit Mozart, John Adams, Tschaikowsky

Keine Hysterie am zweiten Tag, gut so. Nach den Berichten über Kirill Petrenkos erstes Icon_03027_Vhod_Gospoden_v_IerusalimKonzert seit seiner Wahl zum künftigen Chefdirigenten stand auch bei seinem Auftritt am Folgetag überkandidelte Euphorie zu befürchten wie bei einem SPD-Parteitag. Als bräuchten die Berliner Philharmoniker einen Erlöser! Aber zum Glück keine Klatsch-Ekstase vor dem ersten Ton, nur wohlwollender Applaus zur Begrüßung. Und am Ende gibt es zwar standing ovations, aber ohne dass Klatsch- und Bravo-Vordrängler die schreiende Stille nach dem Ersterben des letzten Pathétique-Tons zerstörten.

Bewies Petrenko im vergangenen Herbst mit dem Bayrischen Staatsorchester, dass er auch einem ätzenden Werk wie Strauss‘ Domestica Magie einzuhauchen vermag, ist sein Philharmoniker-Programm merkwürdig genug: Mozart, John Adams, Tschaikowsky. Worin besteht der Zusammenhang? Etwa in der klassikfernen Fünfzahl – bei Tschaikowsky der „Walzer“ im 5/4-Takt, in Mozarts Haffner-Sinfonie das irritierend fünftaktige erste Motto?

Was auf dem Papier beliebig scheint, erschließt sich dem Ohr.  „Glühend: Kirill Petrenko bei den Berliner Philharmonikern mit Mozart, John Adams, Tschaikowsky“ weiterlesen

Glühend: Kirill Petrenko bei den Berliner Philharmonikern mit Mozart, John Adams, Tschaikowsky

Musiker-Romane im „Literaturclub“

Vergessen Sie das Literarische Quartett! In der besten Literatursendung im deutschsprachigen Fernsehen, dem Literaturclub des Schweizer Rundfunks, wurden im März zwei neue Romane vorgestellt, die sich nicht nur, aber auch mit klassischer Musik beschäftigen.

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Musiker-Romane im „Literaturclub“

Sterbensschön: Brittens „Tod in Venedig“ an der Deutschen Oper Berlin

Vor der Schönheit dieser Musik werden auch geringere Schriftsteller als Gustav von Aschenbach krank: Zwar nicht mit Cholera, aber doch gesundheitlich angegriffen wohnt der Konzertgänger der Premiere des Tod in Venedig bei, mit dem die Deutsche Oper Berlin ihren Benjamin-Britten-Zyklus nicht vollendet, aber beschließt – nach vier von zwölf The_grand_canal_of_Venice_(Blue_Venice)_-_Edouard_ManetOpernVorläufig sei dieser Abschluss, orakelt Dirigent Donald Runnicles im Programmheft.

Im Tod in Venedig, Brittens letzter Oper von 1973, ist alles endgültig. Das Pendel, das bekanntlich schon in Thomas Manns Erzählung zwischen schwulem (genauer: päderastischem) Begehren und Todesvision hin und herschwingt, schlägt hier stärker in die letale Richtung aus. „Sterbensschön: Brittens „Tod in Venedig“ an der Deutschen Oper Berlin“ weiterlesen

Sterbensschön: Brittens „Tod in Venedig“ an der Deutschen Oper Berlin

Zeitzauberisch: Aequinox-Musiktage in und um Neuruppin

Die Tagundnachtgleiche ist, wie jedermann weiß, besonders günstig für Zeitreisen. Wenn 512px-Ecliptic.svgman denn die richtigen Zauberformeln beherrscht, wie das bei den Künstlern der Aequinox-Musiktage in Neuruppin vom 17. bis zum 19. März fast ausnahmslos der Fall ist. Das Programm des Festivals, das der umtriebige Wolfgang Katschner und seine lautten compagney Berlin mit vielfältiger Unterstützung seit acht Jahren stemmen, führt vom Jahr 2017 aus in eine lutherische Messe anno 1517, in die bedrohliche Klangpracht der italienischen Gegenreformation, schlägt einen irritierenden Bogen über 300 Jahre zwischen süddeutscher Barock- und argentinischer Tango-Mystik und macht einen nicht unschlüpfrigen Hausbesuch bei William Shakespeare.

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Zeitzauberisch: Aequinox-Musiktage in und um Neuruppin

16.3.2017 – Entschwurbelnd: Eröffnung MaerzMusik mit Catherine Christer Hennix

Vergessen alles Geschwurbel, als die Musik beginnt. Genauer gesagt: als man merkt, dass sie längst begonnen hat. Denn zwei Arten von Geschwurbel stehen Wache am Tor zur MaerzMusik, dem ehemaligen Festival für neue Musik, das sich seit drei Jahren Festival für Zeitfragen nennt. Durch dieses schröckliche Tor muss am Donnerstag auch das Eröffnungskonzert im Weddinger silent green Kulturquartier, wo Catherine Christer Hennix‘ Minimalismus-Mysterium The Electric Harpsichord (1976, Neufassung 2017) im Zeichen des Nur erklingt.

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16.3.2017 – Entschwurbelnd: Eröffnung MaerzMusik mit Catherine Christer Hennix

13.3.2017 – Funeral-explosiv: MusicAeterna, Currentzis, Kopatchinskaja spielen Mozart & Beethoven

The_Funeral_of_Shelley_by_Louis_Edouard_FournierExplosivste Begräbnisparty seit langem! Denn zum Gastspiel im Konzerthaus erscheinen die Herren der Permer Wundertruppe MusicAeterna im Funeral Look (schwarzer Anzug, schwarze Krawatte). Die Damen ebenfalls in Schwarz, aber einige sowas von schulterfrei; besonders der Anblick einer rothaarigen Bratschistin stellt die Konzentrationsfähigkeit des Konzertgängers auf eine harte Probe, aber eher wird die Mondsichel auf die Erde fallen, als dass er sich über zu leichtbekleidete Frauen beklagt.

Den Dirigenten und Oberzampano Teodor Currentzis, der mit zurückgegelter Geniemähne erscheint, hat unser klügster Musikkritiker Jan Brachmann zwar vor ein paar Monaten zum Scharlatan erklärt, zu einem Magier der Leere. „13.3.2017 – Funeral-explosiv: MusicAeterna, Currentzis, Kopatchinskaja spielen Mozart & Beethoven“ weiterlesen

13.3.2017 – Funeral-explosiv: MusicAeterna, Currentzis, Kopatchinskaja spielen Mozart & Beethoven