Cherubisch: Wiederaufnahme „Le Nozze di Figaro“ an der Staatsoper

Engel-Alarm an der Staatsoper Berlin! Die Hochzeit des Cherubino, könnte man diese jetzt wiederaufgenommenen Nozze di Figaro auch nennen, für die schon der Titel Cherub1Le Nozze di Susanna vorgeschlagen wurde. Denn erstens sind diese Mozart-Menschen doch alle Cherubini, himmelsferne Himmelswesen, mit ihrem unstillbaren Verlangen nach Lust und Liebe. Und zweitens sprengt die französische Mezzosopranistin Marianne Crebassa als Cherubino nicht nur die Grenzen ihrer Rolle, sondern die ganze Bühne: eine große Stimme, die man sich auch in ganz anderen Rollen vorstellen kann, zugleich frisch, fast kindlich, dramatisch, frivol, verzweifelt, unverschämt. Und darstellerisch ein konditionsstarkes, hochkoordiniertes Zappelwunder. Wenn Cherubino als Mädchen verkleidet ihren Blumenstrauss schwingt wie Thor den Mjolnir-Hammer, wackelt der Saal vor Lachen. Wenn Crebassa deklamiert Oh, vedo qui una donna!, schlackert das Ohr vor Freude.

Der Sohn des Konzertgängers war vorher schon Cherubino-Fan und ist es hinterher noch mehr. Non so più cosa son, cosa faccio auf der ganzen nächtlichen Heimfahrt mit dem Rad entlang der Spree. „Cherubisch: Wiederaufnahme „Le Nozze di Figaro“ an der Staatsoper“ weiterlesen

Cherubisch: Wiederaufnahme „Le Nozze di Figaro“ an der Staatsoper

Hörstörung (12): Schwanengesang in der „Johannespassion“

Heikles Thema Straßenmusik vor Konzerthäusern! Niemals würde der Konzertgänger Hulewicz_Leda_and_the_swanirgendeinem Musiker, der mit Cäciliens Kunst sein Brot verdient, am Zeug flicken. Dennoch fährt er, bei allem Wohlwollen, von den philharmonischen Fahrradständern aus immer den längeren Weg im Uhrzeigersinn ums Haus herum zum Tiergarten: um nämlich dem gewiss tüchtigen und liebenswürdigen Balalaika-Spieler zu entgehen, der nach jedem Konzert, und wäre darin Mahlers Neunte gespielt worden, auf dem philharmonischen Parkplatz das immergleiche Bachstück zu Gehör bringt. (Welches ist es eigentlich?)

Manchmal wird das Wohlwollen des Konzertgängers jedoch auf eine besonders harte Probe gestellt. Etwa, wenn er nach einer Aufführung von Bachs Johannespassion vor dem Kammermusiksaal nicht von nachmittäglicher Karfreitagsstille empfangen wird, sondern von einem gewiss tüchtigen und liebenswürdigen Hornisten, der den Schwan aus dem Karneval der Tiere spielt.

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Hörstörung (12): Schwanengesang in der „Johannespassion“

Karfreitäglich: Johannespassion mit Berliner Figuralchor

Immer wieder imposant, was gute Laienchöre so stemmen. Ein besonders interessanter ist der von Gerhard Oppelt geleitete Berliner Figuralchor, der neben anderen Projekten alljährlich am Karfreitag eine Bach-Passion im Kammermusiksaal aufführt – in diesem Jahr wieder die Johannespassion.

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Karfreitäglich: Johannespassion mit Berliner Figuralchor

Resonanz und Hygiene

Was wird nicht alles bekakelt, wenn es um die Klassik geht! Unsterbliche und vergessene Werke, spektakuläre und enttäuschende Aufführungen, Weltstars, Blender, geheime Sandrart-cupidMeister ihres Fachs – keine unwichtigen Dinge, gewiss. Doch wer spricht von den Toiletten? Dabei kann niemand bestreiten, dass der Konzertbesucher dort Minuten von hoher Dringlichkeit verbringt. Nicht nur, weil es innerste Bedürfnisse gilt, sondern auch, weil Musik nachklingen will und muss.

Doch hält das stille Örtchen, was sein Name verheißt? Dieser Frage gehe ich im neuen VAN-Magazin nach. Ein investigativer Blick in die Eingeweide der Klassik.

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Resonanz und Hygiene

Vierfachknorke: „Emil und die Detektive“ im Atze-Musiktheater

230px-Stamp_Emil_und_die_DetektiveEin Besuch im Weddinger Atze-Musiktheater lohnt fast immer – auch und gerade während der berühmt-berüchtigten Festtage der Staatsoper und zwischen letztem Ring des Nibelungen und alljährlicher Karfreitags-Passion. Einfach um mal runterzukommen und sich der wirklich wichtigen Dinge zu versichern: Parole Emil!

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Vierfachknorke: „Emil und die Detektive“ im Atze-Musiktheater

Ewiglächelnd: „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper

„Vivat Götz!“ schallt es aus Reihe 16 oder 17, nachdem der letzte Ton der Götterdämmerung verklungen ist und damit der erste von zwei Abschiedszyklen des Rings des Nibelungen vorbei. Aber genau mit dieser Götzdämmerung lässt die Deutsche Oper ja ihren Götz Friedrich hochleben, indem sie sich, wie er es schon zu Lebzeiten wollte, ab 2020 an einen neuen 800px-Siegfried_and_the_Twilight_of_the_Gods_p_130Ring macht. Für diesmal aber kommt der Konzertgänger mit guter Kunde zurück aus dem alten Ring. Noch einmal – zum letzten Mal – lächelte ewig der Gott.

Nur kaltschnäuzige Opernfreunde und, zugegeben, auch die ächzende Bühnenapparatur ersehnen schon lange das Ende der ewigen Qual. Fataler Hörfehler, denn Waltraute singt ja vom Ende der Ewigen Qual! (Wie macht man beim Singen Groß- und Kleinschreibung hinreichend deutlich?)

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Ewiglächelnd: „Götterdämmerung“ an der Deutschen Oper

Entflammend: „Siegfried“ beim vorletzten Tunnel-Ring an der Deutschen Oper

Im Siegfried möchte der Konzertgänger normalerweise immer vorspulen. Nicht so in dieser Aufführung an der Deutschen Oper, mit der der vorletzte Zyklus von Götz Ring45Friedrichs legendärer Ring-Inszenierung seinem Ende zu eilt. Es ist, als wollte alles die Zeit anhalten.

Auf fast sechs Stunden dehnt sich der Mittwochabend, nicht nur wegen der ausgedehnten Pausen, sondern auch weil das Orchester (Sonderpunkte für Klarinette und Horn im zweiten Aufzug) unter Donald Runnicles, ohne Bummelei zwar, den Abschied weidlich zelebriert. Der Nachbar des Konzertgängers, der Urväter-Ring-Weisheit mit Löffeln gefressen hat, kann den Unterschied zu Böhms und Karajans Zeiten minutiös, ja sekundös belegen. „Entflammend: „Siegfried“ beim vorletzten Tunnel-Ring an der Deutschen Oper“ weiterlesen

Entflammend: „Siegfried“ beim vorletzten Tunnel-Ring an der Deutschen Oper