Schlürfend: Saisonschlüsse im Konzerthaus und an der Komischen Oper

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Quelle: Laura Carreras Terrada

So wie der nördliche Mensch im Herbst Sonne schlürft, um den endlosen Winter zu überstehen, schlürft der Konzertgänger im Juli Musik, um die endlose Sommerpause zu überstehen. Zweimal am Wochenende: Die Komische Oper spielte zum Abschluss ihres Neuproduktions-Festivals Mussorgskys Jahrmarkt von Sorotschinzi (mehr dazu unten), und im KONZERTHAUS gabs ein Programm mit Musik und Sonne.

Und, wichtiger als Sonne: Sommernacht. Kein Open-Air-Quatsch, sondern ein schönes spanisch-baskisches Programm des Konzerthausorchesters mit dem spanischen Dirigenten Josep Pons und zwei hinreißenden Sängerinnen. Wobei hinreißend, frei nach Loriot, das künstlerische Gesamtkonzept ist; rein sängerisch hinreißend ist zumindest eine der beiden. „Schlürfend: Saisonschlüsse im Konzerthaus und an der Komischen Oper“ weiterlesen

Schlürfend: Saisonschlüsse im Konzerthaus und an der Komischen Oper

Der Komponist und der Zauberspuk – Eine Playlist zu Jean Echenoz‘ Roman „Ravel“

9783827006936Einer der schönsten Musikerromane, die es gibt, ist für mich Jean Echenoz‘ Ravel. Aber ist das überhaupt ein Roman, dieses kleine, feine Kunstwerk von nur 110 Seiten? Es ist eine Preziose von Text, die der 1947 geborene französische Schriftsteller geschaffen hat, höchst verdichtet, dabei immer reizvoll funkelnd, konkret.

Wie eine Komposition von Ravel.

Auf den Tag genau zehn Jahre folgt Ravel dem Leben des Komponisten: Vom 28. Dezember 1927 bis zum 28. Dezember 1937, seinem Todestag. Eine seismografische Beobachtung kleinster Regungen und Erschütterungen: Das stundenlange Bad in der Wanne auf Greifenfüßen. Die Vorliebe des ständig müden Feingeists für blutige Steaks. Die unruhigen Gänge durch das Haus in Montfort-l’Amaury, das die Form eines Briekäse-Viertels hat und zur Straße hin nur ein Stockwerk, zum Garten jedoch drei. Weiterlesen und Hören auf Idagio →

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Der Komponist und der Zauberspuk – Eine Playlist zu Jean Echenoz‘ Roman „Ravel“

8.2.2017 – Animierend: Strawinsky / Ravel an der Komischen Oper

Wieder Live-Action-Cartoon-Oper an der Komischen Oper: Die zweite Produktion des britischen Regie-Teams 1927 wirkt runder und schlüssiger als die vielgerühmte Zauberflöte. Trotzdem ist man danach etwas unschlüssig, wohin der Ansatz führen soll und kann.

Spektakulär sieht die Verbindung von animierten Filmen und menschlichen Akteuren auf jeden Fall auch diesmal aus:

Und die Koppelung des Balletts Petruschka und der Kurz-Oper L’Enfant et les Sortilèges ist nicht nur deshalb einleuchtend, weil die Komponisten Igor Strawinsky und Maurice Ravel im Jahr 1913 eine Nacht im selben Bett geschlafen haben sollen. Sondern auch weil sie sich inhaltlich berühren: In einem Stück erwachen Jahrmarktspuppen zum Leben, im anderen Dinge und Gegenstände eines Kinderzimmers.

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8.2.2017 – Animierend: Strawinsky / Ravel an der Komischen Oper

18.1.2017 – 153fach: Lucas Debargue spielt Scarlatti, Beethoven, Ravel, Liszt

f243gVorher leise Skepsis (und ein schlechtes Gewissen, weil gleichzeitig das Eröffnungskonzert des Ultraschall-Festivals für Neue Musik stattfindet), danach helle Begeisterung. Zumindest über den zweiten Teil des Konzerts, mit dem der französische Pianist Lucas Debargue im Kammermusiksaal sein Berlin-Debüt gibt. Genie-Mythen werden um den 26jährigen Franzosen gestrickt, im Interview entsteht ein konkreteres Bild des Mannes, der als Teenager das Klavierspiel hinschmiss, in einer Rockband spielte und erst mit 20 mit ernsthaftem Klavierstudium begann. Beim Tschaikowsky-Wettbewerb 2015 wurde er „nur“ Vierter, aber die Moskauer Kritik schwärmte für ihn.

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18.1.2017 – 153fach: Lucas Debargue spielt Scarlatti, Beethoven, Ravel, Liszt

6.11.2016 – Traumrosamundisch: Mandelring Quartett spielt Haydn, Schubert, Beethoven

Ein Leben ohne Streichquartette ist möglich, aber sinnlos. Also beginnt der graue und grausige November mit einer höchlich sinnhaften Woche, einem inoffiziellen Streichquartett-Festival: Bevor heute das Cuarteto Casals und am Donnerstag das Emerson String Quartet Berlin beehren und am Samstag das feine Vogler Quartett im Konzerthaus spielt, eröffnet das vorzügliche Mandelring Quartett seinen neuen Berlin-Zyklus mit einer klassischen Drei-Gipfel-Wanderung im Kammermusiksaal. Hayschubhoven.

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6.11.2016 – Traumrosamundisch: Mandelring Quartett spielt Haydn, Schubert, Beethoven

24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel

Dutilleux-Parallelaktion in Berlin: dreimal Métaboles in der Philharmonie, dreimal Le Double im Konzerthaus, jeweils von Donnerstag bis Samstag.

transverse-line-by-wassily-kandinskyDie Le Double genannte 2. Sinfonie (1959) von Henri Dutilleux, mit der das Konzerthausorchester unter Bertrand de Billy den Abend eröffnet, ist nicht nur hörenswert, sondern auch sehenswert: Ein Mini-Orchester von 12 Solisten inklusive Pauken, Celesta, Cembalo bildet einen inneren Ring ums Dirigentenpodest, das „normale“ Orchester den äußeren Ring. „24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel“ weiterlesen

24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel

12.9.2016 – Bered(e)t: Hinrich Alpers spielt 2x Ravels „Gaspard de la Nuit“

Den alten kantischen Widerstreit zwischen Pflicht (Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich spielen alles für Klavier von Pierre Boulez) und Neigung (zweimal Gaspard de la nuit im Konzerthaus) löst der Konzertgänger, indem er stracks der Neigung folgt.

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12.9.2016 – Bered(e)t: Hinrich Alpers spielt 2x Ravels „Gaspard de la Nuit“