Karfreitäglich: Johannespassion mit Berliner Figuralchor

Immer wieder imposant, was gute Laienchöre so stemmen. Ein besonders interessanter ist der von Gerhard Oppelt geleitete Berliner Figuralchor, der neben anderen Projekten alljährlich am Karfreitag eine Bach-Passion im Kammermusiksaal aufführt – in diesem Jahr wieder die Johannespassion.

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Der ambitionierte Charlottenburger Chor wird von den Solisten der Berlin Baroque auf historischen Instrumenten begleitet und intoniert auch selbst in ungleichschwebender Stimmung. Dass er außerdem, musikpädagogisch engagiert, durch die historisch informierten Dreikäsehochs der Cantores minores unterstützt wird, führt zu einem reizvollen Gewusel auf und über dem Podium und sehr freundlichen Großeltern im Publikum (einer netten Oma, die von ihrem mitsingenden Enkel versetzt wurde, verdankt der Sohn des Konzertgängers ein Stück Kuchen vor der Passion). Und die Kinderstimmen bringen viel Licht und Farbe in die Choräle – eine Ahnung davon, wie es gewesen sein muss, wenn anno dunnemal die Gemeinde einfiel: O große Lieb, o Lieb ohn‘ alle Maße. Fast möchte man selbst mitsingen.

Der großbesetzte Chor verleiht zumal den Turba-Abschnitten heftige Wucht. Noch eindrucksvoller ist, wie exakt und differenziert der Chor seinen Weg durchs Werk findet. Berührend heiter, ja beschwingt das letzte Ruht wohl. Schauderlich zuvor, wie das Volk droht und zisssscht: Lässest du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige machet, der ist wider den Kaiser. Trotzdem gerät der sehr große Chor kaum je in Gefahr, die kleine Instrumentalgruppe zu erdrücken. Die anfängliche Sorge um die Durchsetzungskraft gerade der Holzbläser erweist sich als unbegründet, das Ensemble ist ein sicherer Halt und setzt, allen voran der engagierte erste Geiger, starke Akzente.

Die Solisten, auch das erfreulich, sind in diesem Jahr ausnahmslos sehr gut. Neben dem herausragenden Evangelisten, der von Markus Brutscher ergreifend, hochdifferenziert gestaltet wird, jedes Wort tief durchdrungen, höchst textverständlich sowieso, könnte man auch den Bariton Jörg Gottschick hervorheben. Dazu ein samtiger bis ätherischer Jesus, wirklich nicht von dieser Welt (Jonas Böhm), ein intimer, sehr feiner Altus (Gabriel Jublin) und eine sichere Einspringerin (Angela Postweiler).

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