Wollend: Patricia Kopatchinskaja & Iván Fischer mit Sibelius & Bartók im Konzerthaus

50dddab938844c06e7b894ab0874dfb9Forderung: Jede Geigenschülerin im Laufe ihres Geigenschülerindaseins mindestens einmal zu Patricia Kopatchinskaja schicken. Nicht weil sie da die sauberste Bogenführung sähe oder hören würde, wie makellose Intonation geht oder süffiges Vibrato oder historisch korrektes Stilbewusstsein. Sondern weil sie da die Frage vor den Latz geknallt kriegte: Was ist dein Stil? Was willst du von der Musik?

Mit Jean Sibelius‘ Violinkonzert d-Moll op. 47 verabschiedet sich PatKop von der hochoffiziösen Würde als Staatsviolinistin-in-residencia des Konzerthauses. Da weht einen teils ein eisiger Wind an, so ungewohnt klingt das alles. „Wollend: Patricia Kopatchinskaja & Iván Fischer mit Sibelius & Bartók im Konzerthaus“ weiterlesen

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Wollend: Patricia Kopatchinskaja & Iván Fischer mit Sibelius & Bartók im Konzerthaus

11.2.2017 – Ohrend, herzend: Berliner Philharmoniker, Rattle, Kopatchinskaja spielen Ligeti, Rihm, Mahler

mahler_gustav4Diesmal kann kein Nörgler sich beschweren, die Programme der Berliner Philharmoniker wären zu seicht: Hier stellt der großartige, der unsterbliche György Ligeti nicht nur Rihm (und Boulez) in den Schatten, sondern selbst Gustav Mahler, dessen 4. Sinfonie G-Dur nach der Pause natürlich der planmäßige Höhepunkt des Konzerts sein sollte.

Und ist auch keineswegs missglückt. Den ersten Satz gehen die Philharmoniker unter Simon Rattle zwar nicht gerade Bedächtig an, nicht subtil abgründig. Stattdessen heizt der glöckchenklingende Schlitten von Beginn an unter Hochdruck dem Abgrund entgegen. Die gemächliche Bewegung des zweiten Satzes ohne Hast scheint voller sehr giftiger Spitzen, am wärmsten klingt paradoxerweise die um einen Ganzton höhergestimmte Solovioline von Daniel Stabrawa.

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11.2.2017 – Ohrend, herzend: Berliner Philharmoniker, Rattle, Kopatchinskaja spielen Ligeti, Rihm, Mahler

10.12.2016 – Schallend, verhallend: Berliner Philharmoniker, Thielemann, Kremer mit Gubaidulina und Bruckner. Rattle und Hannigan mit Grisey

Das interessante Programm, das die Berliner Philharmoniker unter Christian Thielemann (mehr dazu unten) dreimal gespielt haben, wird am Samstagabend durch das anschließende Late-Night-Konzert mit Simon Rattle, Barbara Hannigan und einem 15köpfigen Ensemble aus Philharmonikern und Gästen außergewöhnlich kontrapunktiert: Vier ergreifende Meditationen über den Tod sind Quatre chantes pour franchir le seuil, die der französische Komponist Gérard Grisey (1946-98) kurz vor seinem Tod komponierte. Ein leises Reiben auf der Großen Trommel ist vor und zwischen den Stücken zu hören, oder eben kaum zu hören, und da meint der (Nicht-)Hörer sein eigenes Atmen zu vernehmen, fassungslos vor der unbegreifbaren Grenze.

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10.12.2016 – Schallend, verhallend: Berliner Philharmoniker, Thielemann, Kremer mit Gubaidulina und Bruckner. Rattle und Hannigan mit Grisey

13.11.2013 – Geisterstimmig (2): PatKop encore im Konzerthaus

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Der Vollständigkeit halber: Zweite Aufführung des Programms des Konzerthausorchesters mit Iván Fischer und Patricia Kopatchinskaja, das der Konzertgänger bereits am Freitag gehört hat; diesmal gemeinsam mit seinem Erstgeborenen.

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13.11.2013 – Geisterstimmig (2): PatKop encore im Konzerthaus

11.11.2016 – Geisterstimmig: Patricia Kopatchinskaja, Iván Fischer, KHO spielen Cerha, Schumann, Beethoven

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Dass Robert Schumanns Violinkonzert d-Moll bis heute so einen zweifelhaften Ruf hat, ist völlig unverständlich … sobald man es hört!

Warum das Stück seine Kindheit im Gefängnis verbrachte, eingekerkert von Clara, Brahms und Joseph Joachim, und was die Geisterstimmen von Schumann und Joachim sowie der leibhaftige Joseph Goebbels mit der problematischen Adoleszenz des Konzerts zu tun hatten, hat Patricia Kopatchinskaja in einer lesenswerten Einführung erklärt.

Wie umwerfend es klingt, zeigt Kopatchinskaja im Konzerthaus, bevor sie auch nur einen einzigen Ton gespielt hat: „11.11.2016 – Geisterstimmig: Patricia Kopatchinskaja, Iván Fischer, KHO spielen Cerha, Schumann, Beethoven“ weiterlesen

11.11.2016 – Geisterstimmig: Patricia Kopatchinskaja, Iván Fischer, KHO spielen Cerha, Schumann, Beethoven

24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel

Dutilleux-Parallelaktion in Berlin: dreimal Métaboles in der Philharmonie, dreimal Le Double im Konzerthaus, jeweils von Donnerstag bis Samstag.

transverse-line-by-wassily-kandinskyDie Le Double genannte 2. Sinfonie (1959) von Henri Dutilleux, mit der das Konzerthausorchester unter Bertrand de Billy den Abend eröffnet, ist nicht nur hörenswert, sondern auch sehenswert: Ein Mini-Orchester von 12 Solisten inklusive Pauken, Celesta, Cembalo bildet einen inneren Ring ums Dirigentenpodest, das „normale“ Orchester den äußeren Ring. „24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel“ weiterlesen

24.9.2016 – Steinerweichend: Konzerthausorchester, de Billy, Isabelle Faust spielen Dutilleux, Bartók, Ravel

14.9.2016 – Sorgfältig ekstatisch: Bayerisches Staatsorchester, Kirill Petrenko, Frank Peter Zimmermann spielen Ligeti, Bartók, Strauss

anthony_van_dyck_-_family_portraitSelbst eingefleischte Richard-Strauss-Muffel wie der Konzertgänger können dieser Sinfonia Domestica nicht widerstehen, die das Konzert des Bayerischen Staatsorchesters beim Musikfest Berlin in der Philharmonie beschließt. Die Kluft zwischen dem privaten Sujet und den musikalischen Mitteln des Werkes (womit nicht die Größe des Orchesters gemeint ist, sondern die pompöse Klangsprache) ist und bleibt zwar bizarr, ja lächerlich. Sinfonische Dichtung Ein Eheleben. Der Konzertgänger kann nie umhin, sich bei den instrumentalen Potenzierungen des dritten Themas ein 60 Meter großes Frankensteinbaby „Bubi“ vorzustellen.

Aber das Bayerische Staatsorchester zeichnet sich unter Kirill Petrenko durch eine so hinreißende Klangkultur aus, dass alles egal wird. „14.9.2016 – Sorgfältig ekstatisch: Bayerisches Staatsorchester, Kirill Petrenko, Frank Peter Zimmermann spielen Ligeti, Bartók, Strauss“ weiterlesen

14.9.2016 – Sorgfältig ekstatisch: Bayerisches Staatsorchester, Kirill Petrenko, Frank Peter Zimmermann spielen Ligeti, Bartók, Strauss